VOLLGELD-INITIATIVE SCHWEIZ: Sammelerfahrungen -

Sammelerfahrungen und Tipps

Wie reagieren bei Ablehnung?

Urs Rimann:

Hier zwei Erfahrungen meinerseits: Wenn ich mit meinem Satz beginne "Vollgeld Initiative - schon unterschrieben?" und dann Abweisung kommt (z.B. "keine Zeit jetzt") antworte ich dann meistens mit "Gerne." So kann ich meine Energie irgendwie positiv umleiten. Heute sprach ich noch jemanden an, der nach meiner kurzen Einleitung vehement bestritt, dass die Banken sicher kein eigenes Geld erzeugen können. Da ich gleich merkte, dass es sinnlos ist zu diskutieren, habe ich ihm dann die Hand gereicht und gratuliert: "Stellen Sie sich vor, ich habe das heute schon 100 Menschen erzählt und alle haben es geglaubt - nur Sie sind mir auf die Schliche gekommen, ich gratuliere Ihnen!" Danach verabschiedete ich mich und sprach gleich die nächsten Passanten an. Was ich damit sagen will: Nicht entmutigen lassen und schön weitersammeln - ich finde, es macht richtig Spass :-)

“gesammelte” Sammelerkenntnisse

Daniel Fetz:

Mit folgenden Vorgehen habe ich bei der Sammlung auf der Strasse gute Resulate erzielt (zwischen 9 bis 11 Unterschriften pro Stunde):

1. Ich arbeite mit der Grafik des Infoflyers („So war es früher / So ist es heute / Das will die Vollgeldinitiative“)! Ich habe sie mir auf A4 kopieren und laminieren lassen. (Man kann den Flyer mit der Graphik auch auf ein Klemmbrett klemmen oder auf die Rückseite mit Tesafilm kleben.)

2. Ich habe einen genauen Gesprächsfaden!:

Grüezi, haben Sie mir bitte auch eine Unterschrift für die Vollgeld-Initiative?!

1. Sie wissen ja, dass unser Notengeld nur von der Nationalbank gedruckt werden kann.

2. Heute ist aber nur noch 10% der Geldmenge Notengeld – 90% ist „elektronisches“ Geld (Buchgeld der Banken), das sie z.B. bei der Kreditvergabe „herstellen“ können. Die „Geldschöpfung“ ist heute zum grössten Teil bei den Geschäftsbanken.

3. Die Vollgeld-Initiative will, dass in Zukunft die Nationalbank auch das „elektronische Geld“ bereitstellt, wie es beim Notengeld seit über 100 Jahren der Fall ist. Vom „Geldschöpfungsgewinn“ profitieren dann nicht mehr die Banken, sondern der Bund und die Kantone (ca. 3 Mrd. CHF pro Jahr).

Wichtig gleich anhängen: Bitte unterstützen sie die Vollgeld-Initiative mit ihrer Unterschrift!
Oder: können Sie deshalb die Vollgeld-Initiative auch mit Ihrer Unterschrift unterstützen?!

Im „Normalfall“ reicht das für eine Unterschrift!

Wenn man zu schnell vorwärts geht, kann es passieren, dass die Leute nicht mehr folgen können und sie sind „überfordert“, hängen ab.
Es gibt Leute, die alles genau überlegen wollen/müssen, bevor sie unterschreiben. Denen gebe ich den Flyer und die Unterschriftenkarte mit und gehe relativ zügig zur nächsten Person.
Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür, wen man ansprechen soll (z.B. ältere gut angezogene Frauen, Mütter mit Kinderwagen (ist auch praktisch zum Unterschreiben), eher „alternative“ Leute, junge aufgeschlossene Leute (keine „Machos“ etc.) ). Bei allem, man kann sich auch täuschen….. – Ältere Menschen sind manchmal „überfordert“ – aber es kann auch rüstige 93jährige darunter haben.

Walzenhausen, 15.12.14/ Daniel.Fetzmaps on@vollgeld-initiative.ch

Initiative auf der Strasse kurz erklärt

Thomas Mayer: Ich sage derzeit: "Es geht darum, dass die Banken weniger spekulieren können und die Finanzmärkte wieder mit in Zusammenhang mit der realen Welt kommen. Wir brauchen jetzt 100'000 Unterschriften, um die Initiative einreichen zu können." Bei etwa der Hälfte der Menschen reicht das. Wenn jemand mehr wissen will, dann nehme ich das Schaubild des A5 Flyers zu Hilfe. (So war es früher / So ist es heute / Das will die Vollgeldinitiative)
Ich habe das Schaubild auf die Rückseite des Klemmbrettes mit Tesafilm geklebt und drehe das einfach um. Anhand des Schaubildes kann man die Vollgeldreform schnell erklären.

Erklärbilder zur Vollgeld-Initiative

Enrico Geiler (Tessin):

Hier einige kleine Zeichnungen (in PowerPoint format - 3 je Sprache - "GESTERN, HEUTE, MORGEN") zum Ausdrucken. Sie wurden durch uns schon auf der Strasse getestet und die dienen bestens dem Publikum die Vollgeld-Initiative zu erklären.

Wir haben sie ausgedruckt und laminiert und am Unterschriftensammelstand ausgehängt. Wenn jemand sich nähert, laden wir ihn ein, die Zeichnungen anzuschauen und erklären sie ihm. Normale Personen begreifen dann alles sehr schnell.

Also: je nach Sprache die entsprechende 3 Seiten ausdrücken und benützen: es funktioniert!

Sammeltipps von Michael K. (Teil 2)

• Ich sage selten den gleichen Text zweimal. Jeder Mensch ist verschieden, und Variieren hilft es, den Auftritt frisch zu halten. Auch werde ich immer besser, und immer KÜRZER! Am Anfang zähle ich Sätze, mittlerweile bereits nur noch Si-lben.
Ich sage "Volksinitiative." Passant: "Gegen was? Für was?" Ich "Gegen private Herstellung von Schweizer Franken, und für die Bundesverfassung." Zuoberst auf dem Klemmbrett habe ich einen Bogen mit dem kurzbeschrieb nach oben (auch besser für Datenschutz!) Das halte ich Passanten hin, und viele fangen einfach spontan zu lesen an. Dann wollen sie eigentlich schon unterschreiben, stellen aber noch 1-2 Fragen pro Forma, die ich höflich und kurz beantworte.

• Das Gespräch führen! Anfangs hatte ich Probleme damit, dominant aufzutreten, aber leider Gottes wollen viele das. Nach dem ersten Anbeissen ("Worum geht's?") sage ich "Dass nur die Nationalbank Schweizer Franken herstellen können soll."
(manchmal auch mit Humor: "...können sollen darf")
- HIER IST EINE KURZE PAUSE WICHTIG -
"...so wie es ...
VARIANTE A "...in der Bundesverfassung steht"
VARIANTE B "...die meisten Leute heute schon denken dass es sei"
Dann kommen die rhetorischen Fragen:
"Finden Sie es ok, dass Banken heute schweizer Franken herstellen können?"
B: "...dass *private* Banken heute ein paar Zahlen (Gestik) in den Computer hinein-tippen können, und das ganze dann 'schweizer Franken' nennen?"

• Es ist wichtig, beim Thema Geldschöpfung zu bleiben. WER schöpft das Geld.
Und Bundesverfassung: was ist des Volkes Willen.

• Ins Thema "Deckung" abzugleiten ist verlockend, aber Gefährlich, denn es gibt bereits heute eine Art Deckung für unser Geld. Wenn eine Bank Geld schöpft, z.B. für eine Hypotheke, kann sie das Haus als Sicherheit nehmen, und das ist die Deckung! In der Zeit bevor Artikel 99 urpsrünglich verfasst wurde gab es KEINE solche Deckung. Das erklärte ich auch jenen Passanten die bereits kurz vor der Unterschrift stehen "weil unser Geld nicht gedeckt ist". Ich sage: "Unser Geld ist im moment in gewissem Sinne gedeckt, und nach der Vollgeld-Reform wäre es ganz ähnlich gedeckt - ich kann Ihnen gerne mehr dazu sagen, aber das ist nicht das Thema dieser Initiative. Hier geht es darum WER unsere CHF schöpft, und über Deckung bestimmt."

• Habe mir u.A. den Text der SNB ausgedruckt "Die Banken schöpfen neues Geld, wenn sie Kredite gewähren" (Gedächtniszitat - genauer Text siehe snb.ch) Damit komme ich mit wenig Aufwand viel weiter, v.A. bei Leuten die neu im Thema sind. Wenn sie überrascht sind, beruhige ich sie sofort, indem ich Giralgeld hinstelle als nur eine Art privater Geldschöpfung, das korrekterweise in die Kategorie von Cumulus, Superpunkten, Bonusmeilen, Chiemgauer etc. gehört. Dann sind die beruhigt, denn es ist nicht mehr "ganz" fremd. Zurück zu CHF: das ist die Währung mit der wir Steuer zahlen.

• Ausländerfeindliche kann man an Bord ho(h)len, indem man sagt "Der Schweizer Franken muss von SCHWEIZERN geschöpft werden. Private Banken können theoretisch auch dem Sultan von XY gehören."

• Die Frage, ob links oder rechts. Tja. Hier werde ich leicht unethisch. Wenn jemand den Eindruck macht, eher links zu sein, rede ich von privater Geldschöpfung. Bei Rechten eher von der Bundesverfassung. So ist das. Auch bringe ich die Leute durcheinander, nur um ihnen nachher Halt zu bieten. Das geht etwa so:
Passant: "Ist es etwas Linkes?"
Ich: "Also viele unterschreiben weil sie MEINEN es sei etwas Linkes, aber ich persönlich finde es ist eher rechts. Darf ich es Ihnen erklären, und entscheiden Sie einfach selber"
(Dann der ganze blabla)
Schluss: "Also Sie sehen: ein Linker wird fast immer dafür sein, aber er stützt auch das System der Konservativen. Darum ist Vollgeld auch mehrheitsfähig.

• Eine meiner Lieblingsfragen: "Von welcher Partei ist das?"
Hier hat man oft schon gewonnen, wenn man nur sagt "von KEINER"
- so desillusioniert sind die Menschen schon mit den etablierten Parteien!
Machmal führe ich dann noch aus "...aber zwei Nationalräte haben schon fragen gestellt an den Bundesrat - sogenannte Interpellationen - wie er das jetzige Geldschöpfungs-System rechtfertigt. Ein Grüner - Geri Müller - und Lukas Reimann von der SVP und AunS".

• Absolut wertvoll ist es auch, die sichtweise der Gegner jeweils darzulegen. Gerne auch bei Unschlüssigen. Das hilft, Vertrauen aufzubauen und die Unterschrift an Land zu holen. Kurz vor den nächsten kritischen Frage, zack: "Wenn ich das jetzt einem Banker sagen würde (nervös über die Schulter schauen), antwortet er 'Das ist Quatsch, die jetzige Geldschöpfung ist in Ordnung, Sie haben das System nicht verstanden'. Aber mir haben auch schon Banker unterschrieben, die das System sehr gut kennen, und Vollgeld als einzig logischen nächsten Schritt sehen. Klar ist diese Reform für sie oberflächlich eine Bedrohung...jetzt können sie GELD HERSTELLEN...WER MAG DAS NICHT? Aber sie kennen auch die Gefahren besonders gut. Sie wissen, dass heute Märkte stark verzerrt werden. Banken schöpfen besonders gerne Geld für Hypotheken...sogar Versicherungen verkaufen jetzt Hypotheken...es ist sehr profitabel, führt aber direkt in die nächste Krise!"

Sammeltipps von Michael K. (Teil 1)

• Sammeln ist DIE Gelegenheit, zu lernen mit Ablehnung umzugehen. Mit dieser Einstellung ist Niedergeschlagenheit praktisch unmöglich! Ich sage oft „Danke einewäg“ oder „Vielleicht ein andermal...“

• Es rächt sich bitterlich, wenn ich eine Unterschrift als sicher betrachte. Dranbleiben!

• Etwa 80% der Arbeit ist es, das Gespräch zu führen...

•...und Nebengleise zu vermeiden, z.B. Mindestkurs. Freundlich sagen: anderes Thema!

• Bei too-big-to-fail UBS erwähnen. Komischerweise trauern dann einige – vor allem Ältere – gleich noch der Swissair nach. Auch hier: Empathie, dann höflich zurück auf Kurs.

• Man spürt bei Einigen, dass sie es Leid sind, Kritik an UBS und CS zu hören. Dann erwähne ich jeweils mit positivem Resultat: „auch alternative Banken Geld schöpfen Geld.“

• Vollgeld ist nichts Neues, sondern ein Update der Bundesverfassung (viele Menschen haben Angst vor Neuem).

• Gestik hilft manchmal. „Schwankungen sind normal (Wellenlinie in die Luft zeichnen), aber die jetzige Geldschöpfung verstärkt diese (grössere Wellen).“
Oder: „Vollgeld ermöglicht einen neutraleren Markt. Jetzt steigen die Häuserpreise mehr an als andere Preise (eine Hand die sich leicht hebt, die andere steigt schneller)“. Dieser Punkt wirkt besonders gut bei Leuten ohne eigene Immobilien ;-)

• Freunde, geniessen wir, so viele Leute kennen zu lernen! Neulich war da einer, von dem ich dachte „der will mich eh nur voll-labern“, aber er hatte so schöne Augen und ich hörte ihm einfach zu. Als das Gespräch abflaute, spulte ich meinen Text ab und ZACK – Unterschrift!

• Die Leute reagieren positiv auf die Worte „Schweizer Franken“. „Geld“ ist zwar kürzer, aber eher negativ belastet („ich kanns nümmi höre!“) Ausserdem sind alternative Währungen ok, also ist der Titel der Initiative streng genommen falsch, und es müsste heissen „Schöpfung von SCHWEIZER FRANKEN alleine durch die Nationalbank“.

• Ein bewährtes 1-Satz Argumentarium: „wir wollen dass der Schweizer Franken nur noch von Schweizern geschöpft wird.“ Hinzufügen „Von UNS, also von der Nationalbank, die ja im Gegensatz zu den privaten Geschäftsbanken dem VOLK gehört...“

• Last but not least: die Ausländer! Die Vollgeld-Idee ist international gültig. Deutsche auf monetative.de, Engländer auf Positive Money hinweisen. USA hat 2 Organisationen, und dann noch ganz viele, die die Gefahren privater Geldschöpfung erkennen, aber die Fed abschaffen wollen. Siehe voriger Punkt: das ist die einzige Bank, die dem VOLK gehört.
(p.s. Nicht auf Angstmacherei eingehen, die Zentralbanken seien privat. Sie sind unabhängig – und das ist auch gut so. Chomsky sagt, Fed sei definitv NICHT privat. Graeber, „a peculiar sort of public-private hybrid“. Auch hier: 8-ung vor Nebengleisen!)

• Zögerern mit Angst vorm Alleingang kann man folgenden Text aufsagen: „Es gibt Organisationen von Irland bis Neuseeland, die sich für Vollgeld einsetzen, aber wir Schweizer könnten es als erste umsetzen!" Ehrgeiz wecken!!

• Vollgeld in Landes- und Fremd-Sprachen kennen: Franz.: monnaie publique, Rumantsch glaub' denar cumplain; Englisch: sovereign money od. (veraltend) Plain Money.

• Viele Menschen haben sehr starke Gefühle zum Thema "Überwachung", und einige sind deswegen auch Verfechter von Bargeld statt virtuellem Geld. Das Hilft: "Der wesentliche Punkt, ob beim Mail- oder beim Zahlungsverkehr ist nicht OB, sondern WER schöpft, kontrolliert, etc."

Weitere Sammeltipps von Michael K: https://vollgeldspiegel.wordpress.com/forum/comment-page-1/#comment-204

Neue Sammeltipps aus der Ostschweiz

Daniel Fetz:
Nach ein paar ernüchternden Erfahrungen in einzelnen Ortschaften, das heisst 4 bis 5 Unterschriften pro Stunde (wenig Leute, nebliges Wetter), konnte ich am Samstag und Sonntag in Heiden AR erfreuliche Erfolge feiern. Da Heiden nebelfrei war (milde Temperaturen) und es noch einen kleinen Adventsmarkt gab, hatte es genügend Leute von überall. Am Samstag konnte ich in 4 Stunden 39 Unterschriften und am Sonntag in 4 Stunden 52 (!) sammeln.
Es lohnt sich, am Einstiegssatz zu arbeiten/feilen. Ich bin mittlerweile bei: "Haben Sie mir BITTE auch eine Unterschrift für die Vollgeldinitiative?!" - Die Leute sind dann "verwundert" und ich halte ihnen gleich die Grafik vom A5-Flyer hin (eigentlich schon bei der Kontaktaufnahme), die ich auf dem Klemmbrett habe und erkläre kurz die 3 Schaubilder. Je nach dem frage ich dabei "Wissen Sie wie neues Geld entsteht/ in Umlauf kommt?" oder "Banken in die Schranken".
Manchmal hilft auch etwas "Druck" ("Es geht ja nur darum, dass wir überhaupt darüber abstimmen können"). Beim Menschen-Typ, der es zuerst richtig verstehen muss, um unterschreiben zu können, gebe ich möglichst schnell einen Flyer und eine Unterschriftenkarte mit ("Sie müssen mir aber versprechen, dass Sie die Karte dann unterschreiben und abschicken...").
Wenn die Leute unterschrieben haben, gebe ich ihnen zum Dank die Hand und verabschiede mich. Ich wechsle schon mal ein paar Worte (Es gibt ja interessante Leute), aber der Abschluss ist halt doch sehr wichtig, wenn man viele Unterschriften sammeln möchte.
Noch zwei Praxistipps:
Am Samstag habe ich mir für knapp Fr. 20.- eine graue Stoffumhängetasche (eigentlich für einen Laptop) gekauft und "präpariert". Hier kann ich alles gut verstauen. In den beiden Aussentaschen habe ich die A5-Flyer und die Unterschriften-Karten. Das Material habe ich dann schnell zur Hand."
In Chur habe ich ein Banner einfach auf den Boden gelegt. Das weckt grosses Aufmerksamkeit und ist dennoch einfach zu transportieren."

Grüezi, darf ich auch Ihre Unterschrift für die Vollgeld-Initiative und gegen Banken-Spekulation bekommen?

Robin Wehrle:

Ich mach's meistens so:
"Grüezi, darf ich von Ihnen auch eine Unterschrift haben?" - "Wofür?"
"Die Vollgeld-Initiative... Es geht darum, dass die Banken nicht mehr Geld aus dem Hut zaubern dürfen. Denn heute läuft es so. Die Banken verleihen ja vorallem elektronisches Geld. Doch das ist grösstenteils gar nicht gedeckt. Die Banken verleihen also sozusagen Geld, das es gar nicht gibt... Und das führt zu einer enormen Aufblähung der Geldmenge und immer wieder mal zu Finanzblasen und einem Crash und dann muss wieder der Staat einspringen um eine Grossbank zu retten"
Die Initiative (auf den Unterschriftenbogen deuten) verlangt nun, dass die Nationalbank auch das elektronische Geld konktrolliert. Das macht sie heute leider nicht. Sie kontrolliert zwar das Münz- und Notengeld aber nicht das elektronische... Und da heute 90% des Geldes elektronisch ist, wäre das extrem wichtig."
Wenn man merkt, dass das Gegenüber schon überzeugt ist kann man auch kürzen...

Wie Initiative kurz erklären?

Albin Meyer:

"Meine Erfahrung nach 8h Sammeln für 83 Unterschriften: am ehesten unterschreiben tun die Leute, wenn ich sie mit "Vollgeld-Initiative" anquatsche, und wenn sie stehenbleiben, sage ich: wenn alle Leute gleichzeitig ihr Geld von der Bank abheben würden, gäbe es nur 10% vom Geld, der Rest ist eine Blase von virtuellem Geld der Banken, und wenn diese Blase in einer Krise platzt, muss der Staat die Banken retten, und mit der Initative möchten wir nun diese Blase beseitigen, so dass nur noch echtes Nationalbank-Geld existiert."

Reaktionen der Menschen

Thomas Brändle:
"Heute Morgen war ich am Unterschriftensammeln in einer Zuger Gemeinde. Eine Dame aus der Finanzbranche fragte mich, ob diese Initiative jene sei, wovor sie ihr Chef gewarnt habe. Als ich ihr erklärte, worum es geht, sagte sie, ja, das sei sie, wovor sie ihr Chef gewarnt habe. Dann hat sie unterschrieben und darum gebeten, dass ich’s niemandem weitersage. Etwas später durfte ich einem älteren Herrn die Vollgeld-Initiative erklären, währenddessen sein Strahlen im Gesicht immer freudiger wurde. Am Ende sagte er, dass er leider einen italienischen Pass habe. Während mir das Gesicht einfror, grinste er noch mehr und meinte: ‚Nächsten Monat werde ich Schweizer und das erste, was ich dann tue, ist diese Unterschrift zu leisten.‘ Ich habe ihm natürlich einen Unterschriftenbogen mitgegeben."

Sammeltipp

Thomas Mayer:
"Anfang August sammelte ich eine ganze Woche zusammen mit zwei Freunden Unterschriften in Basel. Es war eine sehr erlebnisreiche Zeit, denn ich sprach mit jeder und jedem: ob Jung oder Alt, ob Nadelstreifen oder Tätowierung. Wann sonst begegnet man so verschiedenen Menschen?
Meine besondere Herausforderung war, kurz und prägnant zu werden. Ich kenne Vollgeld bis in alle Tiefen und habe dazu hunderte Seiten geschrieben. Jetzt musste ich es auf den Punkt bringen.
Hier nun mein Sammeltipp:
Wie erklärt man es jemandem, der sich dazu noch überhaupt keine Gedanken gemacht hat und eigentlich auf dem Weg zum Zug ist? Wie schafft man eine schnelle Verständnisbrücke? Dazu probierten wir verschiedene Slogans. Unser Favorit wurde "Banken in die Schranken!"
Inhaltlich trifft er, denn mit der Vollgeldreform wird die Macht der Banken beschränkt, diese verlieren die Möglichkeit, selbst Geld zu herzustellen.Gleichzeitig wirkt er emotional. Immer wieder hörten wir Menschen im Vorbeilaufen zustimmend wiederholen: "Ja, Banken in die Schranken!" Es gab natürlich auch das Gegenteil: "Nein danke, ich arbeite bei einer Bank."
Nach der Kontaktaufnahme und Begrüssung sagte ich oft: "Ich sammle Unterschriften für die Initiative gegen Bankenspekulation." Bei Interesse sagte ich weiter: "Es geht darum, dass die Banken weniger spekulieren können und es weniger Finanzkrisen gibt." oder "Wir wollen ein sichereres Bankensystem."
Mir wurde klar, wie wichtig es ist, mit dieser verständlichen Zielsetzung anzufangen. Bei vielen reichte das schon zur Unterschrift. Wer mehr wissen wollte: "Nur noch die Nationalbank soll das elektronische Geld erzeugen dürfen, wie bisher die Banknoten und Münzen. Die Banken sollen kein Geld produzieren dürfen, sondern nur noch mit dem Geld arbeiten können, das es tatsächlich gibt." Ich versuchte immer nur so viel zu erklären, dass ich es nicht zu kompliziert wurde oder ich damit langweile ....
Erstaunt war ich, dass ich in diesen Tagen etwa 30 Menschen traf, die selbst Listen zu Hause hatten und sammeln wollen.
Ich versuchte die Arbeit, die noch vor uns steht, weiter zu verteilen und bat jeden, doch auch noch einige Unterschriften zu sammeln und verteilte etwa 1000 Unterschriftskarten.
Mein eigentliches Ziel, 500 Unterschriften in dieser Woche zu sammeln, schaffte ich aber nicht. Den fehlenden Rest hole ich in Kürze nach."

Eigene Stimmung ist entscheidend

Mara Seeberger:

"Wenn ich gut drauf bin und im Fluss, dann läuft es. Wichtig ist vor allem die innere Stimmung und Haltung: Ich tue etwas Gutes und die Leute dürfen bei mir unterschreiben. Dann macht es mir auch nichts, wenn Leute "Nein" oder "keine Zeit" sagen. Wenn ich aber schlechte Stimmung habe, in einer defensiven Haltung bin und keine Lust mehr habe, auf Menschen zuzugehen, dann bekomme ich kaum Unterschriften zusammen.

Wichtig war auch, schnell genug 'Volksinitiative' zu sagen, dann sind viele doch stehen geblieben."

Wissen sie wer das Geld macht?

Dominik Leisibach:

Vielen Dank für die guten Sammeltipps und wie man die Initiatve verständlich erklärt. Das hat mir sehr geholfen. Wenn ich Leute anspreche sage ich manchmal: "Darf ich Sie etwas fragen?" Meistens sagen sie "Ja". Dann frage ich weiter: "Wissen  sie wer das Geld macht?" Die Mehrzahl weiss, dass es die Nationalbank ist und nur sie.  Wenn nicht, sage ich es. Dann sage ich, dass es nicht mehr nur die Nationalbank alleine ist. Neu dürfen es auch die Banken selber tun und erkläre es in wenigen Sätzen. Der Vorteil ist, dass man sofort ins Gespräch kommt. Dann beginne ich näher von der Initative zu sprechen.

Wenn man sofort von Initiative und Unterschrift zu sprechen beginnt sagen sie manchmal: "Ich unterschreibe nichts und will auch nichts davon hören und wissen."

Natürlich muss man flexibel sein. Es gibt viele verschiedene Varianten wie man ins Gespräch kommt. Ich mache es auch verschieden.

Sammelerfahrungen der Regiogruppe Luzern (Teil 2)

Bemerkenswerte Argumentationen beim Sammeln:
- Vollgeld ist Nationalbankengeld
- Buchgeld = grosser Luftballon!
- Wenn eine Krise – verursacht durch das Buchgeld – kommt, steht die Nationalbank als Retterin da – letztlich wir Bürgerinnen und Bürger!
- Das heutige Geldsystem führt zur Machtkonzentration von Wenigen.
- Es gibt keine Arbeitslosigkeit, wenn die politische Elite dies nicht will.
- Der Prozess mit der überschüssigen Geldmenge ist erst ca. 30 Jahre alt.
- Mit der Unterschrift zur Initiative vergibt man sich gar nichts. Die Annahme der Initiative hat zum Zweck und ermöglicht eine breite Diskussion zum Thema unter Fachleuten und in Medienveranstaltungen.
- Heute entkoppelt Geld sich von der Realwirtschaft

Wichtig zu beachten….
Bewährt hat sich der Samstagmorgen
Anstelle eines Standes Veloeinsatz, wo die Plakate drangehängt werden können oder Plakataufsteller.
Besser zu zweien als alleine sammeln.

Erste Erfahrungen ...

M.K. Basel:

"Auf jeden Fall habe ich meine ersten Bögen erhalten, und bin sie schon am Füllen. Unglaublich, wie viele Leute meinen, wir hätten Geld schon heute nur von der SNB. Wenn man gut argumentiert, sammeln sich die Unterschriften praktisch von selber!"

Gutes Sammeln an Badestellen

Daniel Knecht, Beinwil am See:

"Ich habe ein Unterschriften-Sammeltipp, den ich erfolgreich angewendet habe: In Freibädern (ich wohne am Hallwilersee) lässt sich recht gut sammeln, vor allem auch bei jungen Leuten. Die Leute haben Zeit, sind gut gelaunt und recht offen. Meistens sind sie in Gruppen da, was pro ein mal erzählen gleich mehrere Unterschriften ergibt. Ich mache das aber nur an Badestellen, wo man keinen Eintritt bezahlen muss, weil ich sonst vermutlich die Einwilligung des Betreibers haben müsste."

Gutes Sammeln an Openair

Daniel Seidenberg:
"Ich war heute am St. Galler Openair. Da stehen die Leute stundenlang an, bis sie reingelassen werden. In dieser Warteschlange unterschreibt Dir praktisch jeder vierte. Solche Gelegenheiten sind optimal."

Ergebnissteigerung

Thomas Mayer:
"Um das Ergebnis bei der Sammlung zu steigern bietet sich an:
- Sandwich oder Startnummer anziehen, damit die Leute sofort sehen, dass es um die Vollgeld-Initiative geht und nicht um einen Umfrage, etc...
-Im Gespräch auf die Unterschrift zusteueren. "Haben Sie schon die Vollgeld-Initiative unterschrieben?" als Eingangssatz. Je nach dem dann noch etwas mehr.
-Keine langen Gespräche führen, sondern möglichst viele die Vorbeikommen ansprechen."

Sammel-Erfahrungen der Regiogruppe Luzern (Teil 1)

"Die Menschen auf der Strasse verfügen über wenig bis kein Wissen über das Thema Geld und Geldpolitik. Das bedingt Aufklärung unsererseits und von daher mehr Zeit und Geduld beim Sammeln.
Hinweise
-  Unterschriften sammeln max. zu dritt benötigt keine Bewilligung falls kein Stand aufgestellt wird.
-  Plakat am Boden als Blickfang kommt gut an.
-  Prospekte zum Verteilen können jederzeit über die Homepage bestellt werden.
-  Oft genügt auch ein Hinweis auf die Homepage.
-  Auf www.vollgeld-initiative.chfindet man umfassende und aktuelle Infos zum
Thema.
-  Philosophie/Haltung:
Wir sind NICHT GEGEN etwas. Wir setzen uns FÜR etwas ein!

Sammlungs-Orte
-  Auf öffentlichen Plätzen
-  In Quartieren
-  Bei Vereinen
-  Bei KMU’s
-  Fachhochschulen, Uni
-  Weiterbildungsinstitutionen
-  Persönliche Netzwerke nutzen
-  u.a.m."

Zur Argumentationslinie im Gespräch

Rolf Güdemann, Basel:

"Die sachliche Schiene - mag man diese noch so vereinfachen - birgt in der Tat die grosse Gefahr, sich in Details zu verlieren. Ich habe gemerkt, dass folgende Vorgehensweise sehr zielführend ist:
1. Sind Sie auch der Meinung, dass das heutige Geldsystem im Zuge der Finanzkrise eindeutige Mängel aufweist? (bewusste Suggestiv-Frage bei der noch keiner "Nein" gesagt hat)
2. Die Vollgeld-Initiative ist ein Weg zur Lösung des Problems. Dann kommt (verbal oder bildlich) folgende Aussage zum Einsatz: Grafik was_will_die_Vollgeld-Initiative (http://www.vollgeld-initiative.ch/arbeitshilfen/)
3. Das Thema ist sicherlich komplexer als hier dargestellt. Trotzdem: Mit Ihrer Unterschrift ermöglichen Sie das Zustandekommen dieser sinnvollen Initiative, was zu einer wichtigen Diskussion des Themas in der Gesellschaft und Politik führen wird. Ob der Inhalt dieser Initiative die einzig wahre Lösung ist, darüber können Sie sich dann in aller Ruhe eine Meiung bilden, bevor es zur Abstimmung geht. Somit verpflichten Sie sich mit Ihrer Unterschrfft noch zu gar nichts.
4. Haben Sie Kinder? Dann sollten Sie als verantworungsvoller Elternteil sich ganz besonders um eine tragfähige Zukunft Ihrer Kinder bemühen.
Mir ist aufgefallen, dass diese Argumentation (ab Punkt 3.) die Leute viel schneller zu einer Unterschrift bewegt, als der Versuch, sich über Argumente zur Inititative die Unterschrift abzuholen. Meist verhaspelt man sich in Punkten, in denen man im Thema nicht sattelfest ist (und davon gibt es doch genügend). Auf Punkt 4 ist dann der eine oder andere Desinteressierte angesprungen, welcher in Tat das angesprochene Verantwortungsbewusstsein als Auslöser für die Unterschrift sah.
Vielleicht können Sie solche Erfahrungen anderen Sammlern in der einen oder anderen Form zur Verfügung stellen und somit die eine oder andere Unterschrift mehr verbuchen!"

Ringordner mit Alphabet

Enrico Geiler, Vollgeld-Initiative Tessin:

"Ich freue mich über den erfolgreichen Start unserer Initiative.
Als langjähriger Unterschriftensammler möchte ich ein kleinen Tip geben:
Bei der Unterschriftensammlung dient am Besten ein mitteldicker Schulklasseur (Ringordner) mit alphabetischer A-Z Blätteraufteilung aus Kunststoff.
Bei Migros kostet ein solcher Klasseur 3.30 CHF und die alphabetische A-Z Blätteraufteilung aus grauen Kunststoff mit schwarze Beschriftung (diese Ausführung ist resistent und wasserdicht) kostet 1.90 CHF.
Am Anfang muss man ungefähr 20-30 leere Unterschriftenlisten lochen und dann ganz hinten einlegen. Wenn jemanden seine Unterschrift abgeben will, fragt man nach dem Wohnort. Man sucht dann unter dem entsprechenden Buchstaben: ist eine Liste schon vorhanden kann er dort unterschreiben. Ist für diese Ortschaft noch keine Liste vorhanden, beschriftet man eine neue und nach der Unterschrift legt man sie unter dem entsprechenden Buchstaben ab. So kann viel Zeit gespart werden und es ist einfach, eine angefangene Liste wieder aufzufinden. Wenn eine Liste komplett ist, legt man sie ganz hinten ab.
Dieses Vorgehen mit nach Buchstaben aufgeteiltem Klasseur ist meiner Erfahrung nach absolut notwendig, wenn man über ein Tisch verfügt und mehrere Personen gleichzeitig Unterschriften sammeln: um die Liste einer Ortschaft ausfindig zu machen, können sehr schnell und gleichzeitig alle Klasseur unter dem gleichen Buchstaben durchsucht werden."

Listen weitergeben

Max Begré:
"Einmal wollte ein Herr aus Appenzell 20 Unterschriftenbögen mitnehmen, mit dem Versprechen, dass er selbst in Appenzell Unterschriften sammeln will. Andere Leute wollen 2, 4 oder 10 Bögen um unter Freunden zu sammeln.
Grundsätzlich frage ich jede/n der bei mir unterschreibt, ob er noch Freunde/Familie hat, die auch gerne unterschreiben möchten und gebe dann Unterschriftenkarten oder -listen mit. Die Unterschriebenen behalte ich alle und sende sie selber ein."

Bitte schicken Sie Unterschriften zügig ein.

Thomas Mayer:
Es gibt drei gute Gründe für ein sofortiges Abschicken auch einzelner Unterschriften (und unvollständiger Listen):
1. Wenn die Unterschriften nicht eingeschickt werden, wissen wir nicht, wo wir stehen.
2. Immer wieder verschwinden ausgefüllte Listen unter Papierstapeln und tauchen erst nach dem Ablauf der Sammelfrist wieder auf. So etwas ist schade.
Bitte lassen Sie die Unterschriften nicht liegen. Die Unterschriftenkarten und Listen sind voradressiert und können unfrankiert einfach in den Briefkasten geworfen werden."
3. Mit jeder Verzögerung verlieren wir Unterschriften. Etwa zehn Prozent der Menschen ziehen jedes Jahr um. Doch wenn jemand unterschreibt und dann wegzieht, bevor die Unterschrift beglaubigt wurde, wird diese ungültig, da er dann in der angegebenen Gemeinde nicht mehr wahlberechtigt ist. Je schneller wir die Unterschriften erhalten, umso schneller können wir sie zur Beglaubigung an die Gemeinden schicken und umso weniger ungültige Unterschriften gibt es.

Startnummern sehr hilfreich

Nele Pintelon:

"Ich wollte das schon lange mal gesagt haben, die Startnummern mit dem Aufdruck der Vollgeld-Initiative sind ausgesprochen hilfreich. Da die Mehrheit der Schweizer ja eher schüchtern sind und doch gerne gut informiert, kommt uns diese Möglichkeit der distanzierten Kommunikation sehr entgegen. Heute auf dem Gemüsemarkt konnte ich u.a. auch in ganz vielen Gesichtern in Ruhe lesen."